Zeitraum

Der Punkt, den man beim Schaukeln auf einer Schaukel erlebt, jener
Punkt wo sich die Kraft der Erde, mit jener Kraft des Körpers misst,
genau dieser Punkt, wo sich diese beiden Kräfte einigen und
sozusagen einen Kompromiss, einen Handschlag eingehen und
somit die Erdanziehungskraft für ein Bruchteil einer Sekunde außer
Kraft gesetzt wird, gewissermaßen ein Gleichgewicht der Kräfte
vorherrscht, genau das ist der Punkt dem meine Faszination gilt.

In unserer Gesellschaft ist man gewöhnt immer alles zu jeder Zeit
an fast jedem Ort zu bekommen und dies meist ohne besondere
Anstrengung. Dieses „Alles“,  ich rede vom Materialismus, wird
uns sozusagen immer in Augenhöhe serviert und wir brauchen nicht
einmal mehr den Akt des „Bückens“ auf uns zunehmen, um „es“
bewusst vom Boden aufzuheben.

Genau darin, im „sich nicht mehr bewusst-machen“, ist das
Leid der Menschheit, sozusagen das Leid der ständigen
Übersättigung begraben.
Wir sind soviel mit dem Erwerb von Dingen beschäftigt und
später mit dem Schutz dieser erworbenen Dinge, dass wir
verlernt haben uns richtig Zeit für uns selbst, Zeit für unsere
Umgebung, Zeit für unsere Mitmenschen zu nehmen.  Um den
Materialismus, unseren gewohnten „Lebensstand“ auch halten
zu können, sind wir verdammt, immer mehr Zeit in den Erhalt
dieses Lebensstandarts zu investieren.

Der Konsumwahn fordert sozusagen eine gewisse Schnelllebigkeit.
Er verlangt ein ständiges Arbeiten, um noch mehr Geld für den Kauf
unserer Konsumgüter zu verdienen und dies alles auf Kosten der
Weitsicht, auf Kosten unserer möglichen Selbstreflektion. Der
Konsumwahn umhüllt uns wie ein Gefängnis, die Gitterstäbe sind
die Konsumgüter und mit jedem Einkauf wird es im Gefängnis
enger und enger und die Weitsicht schwieriger und schwieriger… 
oder das andere Extrem ist ein existentieller Akt und geht um
das Überleben. Ich spreche von der Befriedigung unserer
Grundbedürfnisse, sozusagen das Heranschaffen von Essen, von
Wasser und dadurch sind wir wieder wiederum nicht „frei“, sondern
wieder in einem Gefängnis gefangen, jedoch schließt es uns in
diesen Fall nicht ein sondern aus ….

 

Mit meiner architektonischen Überbespielung des Sakralbaus wollte
ich auf diese Punkte, auf die Übersättigung, aufmerksam machen.

Nur auf eines möchte ich hinweisen – In der Abenddämmerung zeigt
sich erst die wahre Pracht des Sakralbaus. Mittels phosphoriszierender
Schrift wird für kurze Zeit in der Abenddämmerung arbeiten von
Verschieden KünstlerInnen sichtbar.



 

Eingangsbereich

Konzept und Umsetzung: Martin Aigner